TECHNISCH-HISTORISCHER LEHR- UND WANDERPFAD
Auf den Spuren der Industriekultur
Das Glas- und Keramikmuseum beleuchtet Aspekte der Industriekultur im Raum Großalmerode. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der facettenreichen Keramikindustrie, die bis heute eine wichtige Stellung einnimmt.
Viele der hier vorgestellten Gewerbe haben ihre Produktion eingestellt.
Die einst bedeutsame Alaun-, Tonpfeifen- und Irdenwareherstellung sowie der Braunkohlenabbau wurden aufgrund allgemeiner Marktentwicklungen aufgegeben. Die Glasproduktion musste nach landesherrlichem Beschluss beendet werden. Andere Industriezweige, wie die Herstellung von Graphit- und Hessischen Schmelztiegeln sowie weiterer feuerfester Spezialprodukte, sind noch immer aktiv und weltweit nachgefragt.
Waldgläsnerei, das tonverarbeitende Gewerbe und insbesondere der Braunkohlenabbau haben die Landschaft verändert und ihre Spuren hin-terlassen. Die Gläsnerei ist heute im Kaufunger Wald anhand von Ofen-und Abwurfhügeln mehr oder weniger sichtbar. Die Halden der Nieste-hütte sind in ihrem Ausmaß die größten Europas. Ausgekohlte Tagebaue sind heute rekultiviert und als Seen - wie der Exbergsee - sichtbar.
Der Technisch-historische Lehr- und Wanderpfad verfolgt den Ansatz, sichtbare Spuren der Industriekultur zu erläutern und unsichtbare in das Gedächtnis zurück zu rufen. Er will die Verflechtung zwischen Na-turraum, industrieller Entwicklung und kultureller Identität aufzeigen.
Als Ergänzung zur musealen Präsentation führt er zu Gebäuden und Orten ehemaliger Produktion oder Förderung. Zu den noch sichtbaren Relikten gehört die ehemalige Osmoseanlage zur Reinigung von Rohton und die Zeche Hirschberg im Ortsteil Epterode. Andere Tafeln zum Berg-bau, wie im Ortsteil Rommerode zur „Gewerkschaft Marie am Hirsch-berg" oder in Wickenrode, weisen auf einstige Bedeutung hin, jedoch ohne heute noch sichtbare Spuren.
Ebenso finden sich moderne Fabriken, deren Anfänge in das 19. Jahrhundert reichen bzw. sich seit mehreren hundert Jahren im Familienbesitz befinden. Dazu gehören z.B. die Schmelztiegelfabriken Aug. Gundlach KG, Becker & Piscantor (heute Vesuvius) und Conrad Liphard & Söhne GmbH.
Die vielfältigen Aspekte der regionalen Industriekultur sind symbolisch vereint: Jede Tafel ist trapezförmig und wird von einem Gestell gehalten, das dem deutschen Türstock nachempfunden ist. Türstock ist die berg männische Bezeichnung für den Gruben- bzw. Stollenausbau, die den von Menschenhand geschaffenen Hohlraum vor dem Einsturz bewahrt.
Denn letztlich geht die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung der Region auf den Ton- und Braunkohlenbergbau zurück.